Leitideen des Forums 

 

1. PHILOSOPHIE ALS GEISTESGEGENWART

 

Philosophie hat stets etwas mit ‚Zeit‘ zu tun - etwa mit jener Zeit, die man sich nimmt, um für eine Weile das Getriebe des Alltags zu verlassen und die Welt aus etwas größerer Distanz zu betrachten. Wenn wir dies tun, dann können wir alltägliche Fragen und Probleme klarer erkennen, als wenn wir unmittelbar in unsere privaten Angelegenheiten verstrickt sind. Das Philosophie-Forum ist eine Einladung, sich zu dieser Distanzierung Zeit zu nehmen.

 

Das Wort ‚Zeit‘ spielt auch auf diejenige Zeit an, in der wir leben: die Gegenwart. Das gemeinsame Lesen, Nachdenken und Diskutieren im Philosophie-Forum ist in dieser Hinsicht buchstäblich ein Beitrag zu mehr Geistesgegenwart. Dabei geht es aber nicht um Therapie, Meditation oder dergleichen; denn die Philosophie ist keine seelische, sondern in erster Linie eine geistige Praxis. Im gemeinsamen Gespräch wollen wir das, was uns umgibt – Ereignisse, Verhaltensweisen, Meinungen und andere komplexe Zusammenhänge – besser verstehen lernen. Die Gegenwart heute ist sicherlich alles andere als eine leicht verständliche Zeit. Und deshalb setzen wir uns auch mit der Frage auseinander, warum die Gegenwart derzeit eigentlich so schwer verständlich – so rätselhaft, kompliziert und befremdlich – erscheint.

 

2. PHILOSOPHIE ALS SPIEGEL DER ZUSTÄNDE

 

Wer über die Gegenwart nachdenkt, übt nicht selten Kritik an bestimmten Zuständen. Im Philosophie-Forum ist das nicht anders. Aber wir wollen unter ‚Kritik‘ weniger ein wertendes Aburteilen der Zustände verstehen, wie man es etwa von Stammtischrunden her kennt. Es geht zunächst schlicht und einfach um die Tätigkeit des Unterscheidens: also um das Einüben der Fähigkeit, die Vielheit dessen, was es in der Welt gibt, zu erkennen. Im Alltag wird unsere Unterscheidungsfähigkeit oft durch persönliche Interessen und Vorlieben beeinträchtigt; und dadurch bekommen unsere Lebensansichten stets eine gewisse 'Schlagseite'. Im Philosophie-Forum gönnen wir uns dagegen den Luxus der Sachlichkeit, um von bloßen Vorurteilen zu begründeten Urteilen über das, was passiert, zu gelangen.

 

Das traditionelle Symbol für diese Art von Kritik ist der Spiegel: Ein Spiegel zeigt, was der Fall ist, aber ohne über das, was er reflektiert, zu 'richten', also ohne es auf- oder abzuwerten. Auch im Philosophie-Forum wollen wir, ohne Arroganz und falschen Eifer, der Gegenwart ihre diversen Spiegel vorhalten. Dabei können wir zahlreiche Ideen aus der Geschichte der Philosophie als Denkanstöße verwenden. Denn viele dieser Ideen sind nicht etwa abstrakt oder veraltet, sondern überaus konkret und zeitgemäß.

 

3. PHILOSOPHIE IST AN DER ZEIT

 

Lange Zeit galt die Philosophie als eine zweckfreie und letztlich nutzlose Angelegenheit - als einsame Tätigkeit im sprichwörtlichen Elfenbeinturm. Ob dies jemals so war, sei dahingestellt. In Bezug die Gegenwart stimmt es jedenfalls definitiv nicht! 

 

Denn: Philosophische Bücher mit Titeln wie „Warum es die Welt nicht gibt“ oder „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ stehen auf den Bestsellerlisten; in Buchhandlungen fällt unser Blick auf Philosophie-Journale mit Überschriften wie „Entscheidet der Zufall mein Leben?“ oder „Was ist gut, was ist böse?“; und auch in TV-Sendungen und Internet-Foren wird viel und leidenschaftlich philosophiert. Fast könnte man meinen, dass eine Art Bedürfnis nach philosophischer Welt- und Selbsterkenntnis den modernen Menschen antreibt, sich solchen Fragen zu stellen.

 

Eins wird man ohne Übertreibung sagen dürfen: Philosophie ist heute, in ganz verschiedenen Gestalten und Formaten, an der Zeit! Und an diese Tatsache knüpft das Philosophie-Forum Marburg an. 

 

 

 

"Der edle Mensch befasst sich hauptsächlich mit Philosophie und Freundschaft." 

(Epikur)

 

 

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© Dr. Thomas Rolf (2017)